Alle Jahre wieder… Ich muss zugeben, es wird immer schwieriger, gute, kurze Gruselgeschichten zu finden. Aber auch an diesem Halloween möchte ich ein paar kleine Gruselmomente nicht verwehren.
#1 Lichthupe
Es war spät geworden, als Lisa sich endlich auf den Heimweg machte. Die Landstraße ist leer und regennass. Nur ein Lastwagen folgt ihr seit der letzten Tankstelle. Plötzlich lässt der Fahrer die Lichthupe aufleuchten. Einmal. Dann noch einmal. Lisa flucht. Und sie fährt schneller. Der Lastwagen bleibt hinter ihr. Wieder betätigt er die Lichthupe. Ihr Wagen ist für einen Moment hell erleuchtet. Was will der Kerl? Lisa biegt in ihre Straße ein. Der LKW auch. Nun wird ihr die Sache unheimlich. Lisa überlegt, ob sie im Wagen bleiben und die Türen verschließen, wenn sie angekommen ist oder lieber schnell ins Haus rennt. Sie entscheidet sich für letzteres, kramt schon einmal den Hausschlüssel aus der Tasche, um keine Zeit zu verlieren. Sie hält vor ihrem Haus, springt aus dem Auto und rennt zur Haustür. Hinter ihr quietschen die Bremsen des LKWs. „Rufen Sie die Polizei!“, ruft der Lastwagenfahrer. „Das werde ich auf jeden Fall, wenn Sie nicht verschwinden!“, schreit Lisa. „Nicht ich bin die Gefahr. Da ist ein Mann in Ihrem Auto. Hinten, hinter dem Fahrersitz.“ Lisa hält den Schlüssel noch immer fest umklammert. „Jedes Mal, wenn er sich mit dem Messer aufgerichtet hat, habe ich aufgeblendet. Dann hat er sich wieder geduckt.“
#2 Klaus Müller
Als Klaus Müller zu sich kam, fühlte er sich benommen. Er lag am Straßenrand und wusste nicht, wie er dort hingekommen war. Er fröstelte. Was sollte er tun? Er wusste nicht einmal genau, wo er war. Irgendwie musste er aber doch nach Hause kommen. Er stand auf und sprach eine Frau an, um sie um Hilfe zu bitten. Doch die Dame lief einfach weiter. Wie unhöflich. Er wollte doch niemanden belästigen. Allmählich erkannte er jedoch die Umgebung und stellte fest, dass es nicht weit bis zu seinem zu Hause war. Dort angekommen sah er, wie gerade seine Frau aus der Haustür trat. Sie war ganz in schwarz gekleidet. Zwei ihrer Freundinnen standen am Gartentor und warteten auf sie. Ebenfalls ganz in schwarz. Was war hier los? Hatte er einen wichtigen Termin vergessen? Da hörte Herr Müller, wie die eine Freundin zu der anderen sagte: „Die Arme Maria. So früh Witwe zu werden! Ich hoffe, sie schnappen den Kerl, der Klaus überfahren hat.“
#3 Die Hütte
Er ging sonst nie allein wandern. Heute schon. Der Tag ist schön. Er genießt die Ruhe. Doch nach ein paar entspannten Stunden in der Natur wird es Zeit, zum Auto zurückzukehren. Es dämmert schließlich bereits. Nur kommt ihm der Weg plötzlich nicht mehr bekannt vor. War er hier schon? Hätte er an der letzten Abzweigung nicht doch nach links gemusst? Als es dunkel wird, hat er sich endgültig verlaufen. Seine Taschenlampe leuchtet nur noch schwach. Weiterzugehen wäre zu gefährlich. Aber wo soll er die Nacht verbringen? Da entdeckt er zwischen den Bäumen eine Hütte. Das Holz ist verwittert, drinnen brennt kein Licht. Hier scheint seit Jahren niemand mehr gewesen zu sein. Er klopft. Wartet. Klopft noch einmal. Keine Antwort. Doch die Tür ist nicht abgeschlossen. Er betritt die Hütte. Mitten im Raum steht ein Bett. Für eine Person. Alles sieht hübsch und ordentlich aus. Falls der Besitzer zurückkommt, wird er ihm alles erklären. Der hat bestimmt Verständnis. Wenn hier überhaupt noch jemand wohnt. Die Müdigkeit überkommt ihn und er legt sich hin – nur ein paar Stunden ruhen, bis der Morgen dämmert, dann wird er wieder verschwinden. Erst jetzt bemerkt er die Bilder an den Wänden. Lauter Porträts. Seltsame Gesichter, die ihn anzustarren scheinen. Und alle lächeln. Schließlich schließt er die Augen. Er ist zu müde, um sich noch länger über die Bilder Gedanken zu machen. Als er am nächsten Morgen aufwacht, fällt schummriges Tageslicht in die Hütte. Er setzt sich auf. Er streckt sich. Und er stellt fest: An den Wänden hängen keine Bilder. Da sind nur Fenster…
Ich habe übrigens noch einen kleinen Kostümtipp für heute: GenZ-Zugehöriger. Am besten mit Protestplakat für mehr Klimaschutz. Damit erschreckt ihr zwar keine kleinen Kinder, aber anscheinend große Teile der älteren Generation. Dankt mir später.
Und nun meine alljährliche Warnung, denn man kann es nicht oft genug wiederholen: Wenn ihr heute Abend euer Zimmer nach Monstern absucht – schaut unter das Bett, in den Schrank und hinter den Vorhang. Aber seht niemals nach oben. Denn sie mögen es gar nicht, wenn man sie findet…
Noch mehr Grusel findet Ihr übrigens hier und hier oder auch hier.


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