Kleine Geschichten aus der Oberpfalz und dem Rest der Welt

Der September – mit Bildern

Je mehr eine Sache trendet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich sie mit einem Achselzucken abtue. Vielleicht ist es mein innerer Teenager, der mir einflüstert, was alle tun, kann ja nur total uncool sein. Was auch immer der Grund ist, ich lese nur selten (aktuelle) Bestseller, bin gegen die meisten modischen Experimente immun und wenn plötzlich alle anfangen zu stricken, habe ich keine Lust mehr dazu, auch wenn ich dem zuvor jahrelang stümperhaft, aber mit Leidenschaft nachgegangen bin. (Der innere Teenager schlägt anscheinend die innere Oma.) Im September bin ich aber dann doch dem ein oder anderen Trend gefolgt. Das führte unter anderem dazu, dass ich Babybrei in meinen Espresso rührte und das Stricken doch wieder aufgenommen habe. Wer also wissen will, welche Trends sich meiner Meinung nach lohnen und welche ich weiterhin ignoriere, darf gerne weiterlesen.

🍁Gelesen: Mein Credo, keine aktuellen Bestseller zu lesen, habe ich streng genommen schon im August über den Haufen geworfen, aber da ich mit meiner Septemberlektüre noch nicht ganz durch bin, werde ich einfach an dieser Stelle ein Buch vorstellen, über das schon seit Monaten gefühlt alle Welt spricht: „Yesteryear“ von Caro Claire Burke. Kennt ihr das, wenn ein Buch so gut ist, dass ihr euch darüber ärgert, die Lesezeit für so lästige Dinge wie Arbeiten, sich um die Familie kümmern, Essen und Trinken unterbrechen zu müssen? So ging es mir bei der Lektüre von „Yesteryear“. Ich hatte zwar schon recht früh das richtige Näschen, worauf das Ganze hinausläuft, aber ich fand es faszinierend, wie die Autorin es schafft, dass alle Protagonisten ihr Fett wegbekommen, eigentlich durch die Bank sämtliche Personen unsympathisch sind und man dennoch alle versteht und stets wissen will, wie es weitergeht. Ich glaube, zum Inhalt muss ich nicht viel sagen, denn ich denke, wer nicht unter einem Stein lebt, hat davon bereits zumindest ganz grob gehört: Tradwife und Influencerin findet sich plötzlich im 19. Jahrhundert wieder und muss das Leben leben, das sie auf ihrem Instagramprofil stets romantisiert hat. Diese Trendlektüre ist also eine klare Empfehlung von mir.

🍁Gemacht: Die innere Oma hat dann doch die Oberhand über den inneren Teenager gewonnen. Ich habe wieder angefangen zu stricken. Noch dazu einen Sophie-Scarf. Doppeltes Trendsurfing sozusagen. Lange dachte ich, kein Mensch braucht winzig kleine, schmale und spitz zulaufende Strickstücke für den Hals. Doch dann hat wohl der Mere Exposure Effekt voll zugeschlagen. Nachdem ich das 1.789.376 Bild von einer zauberhaften Frau mit Sophie-Scarf gesehen habe, schlich sich der Gedanke ein, dass das eigentlich ganz süß aussieht. Inzwischen habe ich vier Exemplare in verschiedenen Farben.

🍁Getrunken: Ich habe den Pumpkin Spice Latte für mich entdeckt. Mit diesem Trend ging es mir ähnlich wie mit dem Sophie-Scarf. Als pünktlich zum Herbstanfang wieder einmal die Bilder von hübsch zubereiteten Kürbiskaffees in meinem Instagramfeed Einzug hielten, war es soweit. Ich probier das jetzt mal, dann ist das Thema vom Tisch. Und noch als ich den Kürbis-Babybrei in meinen Espresso rührte, dachte ich „Okay, das mache ich bestimmt nie wieder.“ Naja, Pustekuchen. Ich fand den Pumpkin Spice Latte überraschend lecker.

Mein Rezept:

  • 1 doppelter Espresso
  • 150 ml Hafermilch
  • 1 TL brauner Zucker
  • 1 TL Pumpkin Spice Gewürz
  • 1 EL Butternut-Kürbis-Babybrei

Kürbisbrei, Zucker und Gewürz in den Espresso rühren – am besten geht das mit einem Milchaufschäumer. Hafermilch erwärmen und aufschäumen. Espresso-Kürbis-Mischung in die Milch geben. Fertig.

🍁Gedacht: Dass ich neidisch bin. Auf Harald Martenstein. Und auf Markus Söder. Und auf Hubert Aiwanger. Schuld daran ist die Bürgermeisterwahl in Berlin. Dass 25,7 Prozent der Wählenden sich für ein Kreuz bei die Linke entschieden hat, haben viele Menschen anscheinend schwer verkraftet. Das ist ja durchaus legitim und ich bin ein großer Fan davon Parteien, ihr Wahlprogramm und ihr Personal kritisch zu hinterfragen. Und da ich selbst gerade in den letzten Jahren meinen Blick vor allem mehr als kritisch nach rechts wende, dachte ich, das ist mal eine gute Gelegenheit, zu prüfen, ob ich auf dem linken Auge blinde Flecken habe. So habe ich mich zum Thema Enteignungen im Allgemeinen und dem Pro und Contra von Enteignungen großer privater Immobilienkonzerne im Besonderen belesen. Ich habe mich mit Antisemitismus quer durch die Parteienlandschaft beschäftigt und ein kleines bisschen mit Clankriminalität. Dabei habe einiges gelernt, was ich noch nicht wusste. Zum Beispiel, dass Die Linke zwar die Partei ist, die Enteignungen und Vergesellschaftung nach Artikel 15 des Grundgesetzes am stärksten einfordert, die ungekrönte Königin der Enteignungen in der Praxis jedoch die CDU ist. Beim Durchstöbern von Zeitungen und anderen Quellen blieb es jedoch auch nicht aus, über die ein oder andere Absurdität zu stolpern. Hubert Aiwanger redete davon, dass Die Linke Leuten, die 45 Jahre gearbeitet haben, ihr schwer verdientes Häuschen wegnehmen wollen. (Hat ihm das sein Bruder so erzählt?) Herr Söder will Berlin nicht mehr mitfinanzieren, denn so eine Politik darf nicht noch belohnt werden. Das Wahlergebnis der AfD in Sachsen-Anhalt sieht er hingegen als Denkzettel für die Bundespolitik, für den man die Bürger nicht finanziell abstrafen dürfe. Und schließlich führte Harald Martenstein in seiner Bild-Kolumne Aktivismus und Wahlentscheidungen linker Frauen auf deren unterbewusste oder halbbewusste Triebe zurück. Und da kam er, der Neid. Ich bin neidisch auf Harald Martenstein. Denn wie schön muss es sein, wenn die Welt sich so unterkomplex vor einem ausbreitet wie ein kolumnegewordener Altherrenwitz. Ich bin neidisch auf Markus Söder. Denn wie schön muss die Aussicht sein, wenn man so weit rechts steht, dass AfD-Wähler noch immer als besorgte Bürger erscheinen. Ich bin neidisch auf Hubert Aiwanger. Denn wie schön muss es sein, wenn man die offensichtlichsten Lügen erzählt und trotzdem noch ernst genommen wird.

🍁Gelassen: Einen Trend, den ich ganz bewusst ausgelassen habe, ist der 80er Jahre Trend, der gerade durch Social

Media geistert. Leute lassen die KI Fotos von sich selbst im 80er Jahre Look kreieren. Da ich schon so alt bin, dass ich echte Fotos von mir aus den 80er Jahren besitze, kann ich diesen Trend beruhigt umgehen und Ressourcen sparen. (Davon habe ich schon genug verbraten, als ich die KI gefragt habe, wie ich zu Zeiten der Renaissance ausgesehen hätte… Ja, so alt bin ich dann nämlich auch wieder nicht.)

Ich im 80er Style in den 80ern…

🍁Geliebt: Der Sommer hat sich ja wirklich noch lange hingezogen. Umso mehr habe ich mich in den letzten Tagen über die ersten kleinen Herbstboten, muckelige Abendessen bei Kerzenschein und Regen, der gegen die Fenster klopft, gefreut.

So, was waren denn eure liebsten Trends und Neuentdeckungen der letzten Wochen? Wo ich jetzt auf den Geschmack gekommen bin, brauche ich neue Trendwellen, auf denen ich surfen kann.

Startet gut in den Oktober und macht’s euch hübsch!

 

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