Sommerzeit ist bei mir Klassikerzeit. Rote Sonnenschirme verschwinden hinter Weidenbäumen, weiße Kleider leuchten in der Ferne, man liegt träge unter Apfelbäumen oder veranstaltet ein Picknick und flaniert, wenn der Abend ein wenig Abkühlung bringt, im Garten seines Anwesens umher. Und irgendeiner ist verliebt. Und es steht fest, je weiter die Temperaturen in die Höhe klettern und die schwüle Sommerhitze alles zu verlangsamen scheint, desto mehr spitzt sich die Handlung zu. Denn das goldene Licht des Sommers beleuchtet die Kulisse von manch zwischenmenschlichem Abgrund. Und am Ende ist irgendeiner oder irgendein anderer meist tot.

Heute stelle ich euch drei meiner liebsten Sommerbuchklassiker vor.
„Sommer in Lesmona“ von Marga Berck
Ich liebe es, wenn Lieblingsmenschen mir Bücher empfehlen mit den Worten „Das wirst du lieben“ und damit tatsächlich genau meinen Geschmack treffen. „Sommer in Lesmona“ war vor über zwei Jahrzehnten (wie die Zeit vergeht…) so eine Empfehlung.
Was sich liest wie ein poetischer Briefroman ist in Wirklichkeit das Zeugnis eines Lebens. Denn die Briefe wurden um 1900 von einem jungen Mädchen aus einer reichen Bremer Kaufmannsfamilie an ihre Freundin geschrieben. Mit leisem Humor und viel Verstand schreibt sie von sich selbst, dem Verzicht auf eine große Liebe und all die Vorgänge und Menschen um sie herum.
Mit meiner Liebe zu diesem Buch bin ich übrigens in guter Gesellschaft. Thomas Mann las es innerhalb weniger Abende „mit zunehmender Rührung“ und erkundigte sich beim Herausgeber nach der Verfasserin. Ich habe das moderne Äquivalent betrieben und sie sowie die anderen Protagonisten gegoogelt. Mein Tipp: Lasst das lieber. Behaltet einfach die Bilder, die ihr euch selbst im Kopf gemalt habt.

„Ein Sommer in Brandon Hall“ von Leslie Poles
Erwachsen werden ist nicht leicht. Und wenn man einen Sommer lang die Schulferien im Hause eines guten Freundes verbringt, mit den eigenen Gefühlen eigentlich schon genug beschäftigt ist und dann noch in die Irrungen und Wirrungen der Erwachsenen hineingezogen wird, macht es das nicht unbedingt leichter.
Soweit ich weiß, wurde der Sommer in Brandon Hall auch verfilmt. Erst Lesen, dann schauen, ist bestimmt eine gute Idee. Und dann mir berichten, ob der Film sich lohnt…

„Am Südhang“ von Eduard von Keyserling
Eduard von Keyserling ist einer meiner absoluten Klassikerlieblinge und einer der wenigen Autoren, von dem ich die gesammelten Werke nicht nur besitze, sondern tatsächlich durchgelesen habe. An dieser Stelle wäre sicher auch „Wellen“ eine passende Empfehlung, aber auch etwas zu naheliegend. Und wenn ich schon die gesammelten Werke kenne, dann muss ich das doch nutzen und etwas weniger Bekanntes vorstellen.
In „Am Südhang“ kehrt der frischgebackene Leutnant Karl Erdmann für den Sommer auf das elterliche Anwesen zurück. Er freut sich auf die Annehmlichkeiten, die ihn dort erwarten und darauf, sich seiner scheinbar alljährlich wiederkehrenden Sommerverliebtheit hinzugeben. Doch diesmal ist alles anders. Und das liegt nicht nur daran, dass ihm ein Duell bevorsteht. Man meint zu wissen, worauf das alles hinausläuft. Doch am Ende wartet die große Überraschung.

So, jetzt müsst ihr euch nur noch einen Apfelbaum und einen Liegestuhl suchen und dann kann es losgehen!


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