Es war das erste Mal, dass der kleine Pirat mit den großen Piraten auf Kaperfahrt gehen durfte. Er war schon Tage vorher schrecklich aufgeregt. Doch hatte er sich gut vorbereitet: Er hatte lange geübt laut zu fluchen, möglichst weit auszuspucken, gewaschen hatte er sich schon seit Wochen nicht mehr und er kannte schon ein halbes Dutzend Piratenlieder auswendig. Bevor es schließlich an Bord ging, setzte er sich den schwarzen Piratenhut auf den Kopf, den ihm seine Oma zum letzten Geburtstag geschenkt hatte. Liebevoll hatte die alte Dame einen grauseligen Totenkopf und gekreuzte Knochen auf den dicken Filz gestickt. Noch einmal murmelte der kleine Pirat leise „Steuerbord – rechts, Backbord links, Steuerbord – rechts, Backbord – links“ vor sich hin. Dann schwang er sich seinen Seesack über die Schulter und ging zum Hafen. (mehr …)
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Ein Weihnachtsgeschenk für Walter
„Ich bin Walter. Ich lebe auch hier.“
Mit dem sympathischen Protagonisten Walter bekommt der Begriff „Leseratte“ eine ganz neue Dimension. Walter ist die wohl belesenste und kultivierteste Ratte, die man je kennenlernen durfte. Kein Wunder, dass er sich nach seinem Lieblingsdichter Sir Walter Scott benannt hat. (mehr …)
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Mimi seufzte. Wieder einmal waren alle anderen Mäuse schnell davongehuscht, als sie Mimi über den schwarz-weiß gekachelten Küchenboden hatten näher trippeln sehen. Mimi schnappte sich ein Stückchen Brot, das vom Küchentisch gefallen war und rannte so schnell sie konnte aus der Küche hinaus und den Flur hinunter, um in dem winzigen Loch zu verschwinden, das sie zunächst in die Wand und dann nach draußen auf den schmuddeligen Innenhof führte. Dort hockte sie sich in ein dunkles Eckchen und knabberte an ihrer Beute. Doch das Brot wollte ihr nicht recht schmecken. Mimi war traurig. Sie fühlte sich einsam. (mehr …) -
Winifred war furchtbar aufgeregt. Schon zehn Minuten bevor die alte Standuhr in der großen Halle mit lauten Schlägen die Mitternachtsstunde ankündigte, kam sie aus ihrem Schrank geschossen. „Es ist so weit, heute ist es so weit!“, rief sie aufgeregt. Winifreds Geschrei führte dazu, dass auch ihre Eltern und ihr Bruder Lorenz aufschreckten. Mit einem heftigen Schlag öffnete Lorenz seine Truhe, strich sich missmutig die Spinnweben aus dem Gesicht und murmelte verärgert „Was soll der Krach? Einen Moment dachte ich, die Hunnen fallen bei uns ein!“ Gähnend krabbelt er aus seiner Truhe und rief nach seinen Eltern bis Margeaux und Bartholomäus von Eisenfels schließlich aus ihrer Kammer schwebten. (mehr …) -
Der Zauberer Warelius schnaubte. Er hatte einen langen Weg hinter sich. Über den Wolkenbrecher, den höchsten Berg der Himmelshöhen, hatte er wandern müssen, das Düstere Tal hatte er durchquert und mit der Wichtelfähre über den Weiten Fluss übergesetzt – und ihr könnt Euch denken, dass die Wichtelfähre für einen 758 jährigen Zauberer von großer Statur nicht unbedingt die bequemste Art der Fortbewegung ist. Endlich war er im Verwunschenen Wald angelangt und eigentlich wäre es nur noch ein Katzensprung bis zum Haus seiner guten alten Freundin gewesen, doch dann hatte er sich von einem Wolf, den er nach dem Weg fragte, vom direkten Weg abbringen lassen. (mehr …)
