Ein bisschen Feenstaub für deinen Alltag

Wandertipp mit Sage – die Burgruine Ehrenfels bei Beratzhausen

Jetzt lebe ich schon bald neun Jahre in der schönen Oberpfalz und entdecke doch immer noch Neues. Manchmal sogar gleich um die Ecke. So haben wir erst vor wenigen Wochen das erste Mal der Burgruine Ehrenfels bei Beratzhausen einen Besuch abgestattet. Es war einer dieser Ausflüge… Das kleine große Kind klagte den gesamten Hinweg über sein Leid. „Es geht ja nur bergauf.“ „Wann sind wir endlich da?“ „Wie lange dauert es noch?“ „Wir gehen aber auch bestimmt den kürzesten Weg?“ Ja, es war so richtig schön und idyllisch, wie man sich das an einem sonnigen Sonntag so vorstellt. An der Burgruine angekommen änderte sich die Stimmung allerdings schlagartig. Denn hier gab es dicke Mauern zum drauf herumlaufen, schmale Steintreppen in alte Verliese, Schießscharten und geheime Gänge. (Und außerdem Schokoladenkuchen aus dem Proviantrucksack.) „Hier können wir gerne nochmal hin“, fasste das kleine große Kind den Ausflug schließlich zusammen. Ich denke auch, dass die Ruine einen zweiten Besuch wert ist. Vielleicht in der Morgendämmerung. Wenn wir dann ganz leise sind, hören wir dann vielleicht nicht nur meinen Filius, sondern die Geister jammern und klagen. Denn natürlich tragen die verfallenen Mauern schwere Erinnerungen.

Und damit komme ich auch schon zu der Legende, die sich um Burg Ehrenfels rankt.

Hoch oben im Wald über Beratzhausen thront eine Ruine aus Stein und Schweigen. Als Ihre Mauern noch in die Höhe ragten und ihre Hallen mit Leben gefüllt waren, lebte dort ein Graf mit seiner Familie, mit seiner Frau und zwei Kindern. Der Graf war in eine langjährige Fehde mit einem benachbarten Ritter verwickelt und die dicken Mauern von Ehrenfelds hatten bereits so mancher Belagerung standgehalten. Doch eines Tages verriet eine alte Frau aus dem Dorf dem Feind die Schwachstelle der Burg an der Westseite. Die Frau war einst vom Grafen mit einem Anliegen barsch abgewiesen worden und sann auf Rache. Der feindliche Ritter griff also erneut an und hatte diesmal Erfolg. Wer in dem erbitterten Kampf nicht starb, wurde gefangen genommen. So auch der Graf, seine Frau und seine Kinder.

Der Ritter verliebte sich jedoch in die schöne Gräfin. Diese wollte dies zu ihrem Vorteil nutzen und bat ihn darum, dass er sie und ihre Familie freiließe. Aber so weit ging die Liebe nicht. Der Ritter ließ sich nicht erweichen. Er erlaubte der Gräfin jedoch, sie selbst dürfe die Burg verlassen. „Nimm mit, was du tragen kannst, und verschwinde beim ersten Licht des Tages.“

Am nächsten Morgen trat die Gräfin in den Burghof. Auf ihrem Rücken trug sie ihren Gemahl, auf ihren Armen ihre beiden kleinen Kinder. Ein vermeintlich kluger Plan, der allerdings die Wut des feindlichen Ritters entfachte. Er fühlte sich betrogen und sein Herz wurde kalt wie Stein. So ging die Gräfin mit ihren Liebsten nicht den Weg in die Freiheit, sondern in den Tod.

Der Ritter jedoch sollte von nun an keine Ruhe mehr finden. Jede Nacht riss ihn das Weinen von Kindern aus dem Schlaf, das der Wind aus dem Burghof zu ihm hinauftrug. Doch wenn er hinabsah, war keine Menschenseele zu erblicken. Und wann immer ein neuer Morgen anbrach, hörte der Ritter ein Jammern und Klagen und das Schlagen einer Faust gegen das Burgtor. Doch wenn er nachsah, war keine Menschenseele zu erblicken – nur blutige Fußspuren auf den Steinen zum Tor. Egal, wie oft er die blutigen Schritte fortwaschen ließ, jeden Morgen erschienen sie aufs Neue. Und auch heute noch – so heißt es – hört man in der Morgendämmerung das Jammern und Wehklagen einer Frau in der alten Ruine. Manch einer behauptet, es sei nur der Wind, doch ich denke, es ist die Gräfin – gebunden an einen Ort, der ihre Geschichte nie vergessen hat.

Wie so oft zeigt sich in dieser Geschichte Dichtung und Wahrheit eng verwoben.

1256 wird die Burg, deren Ruine man heute versteckt im Wald über dem Tal der Schwarzen Laber findet, erstmals urkundlich erwähnt. Auch vom Geschlecht derer von Ernvels – der Stauffer von Ehrenfels – ist hier bereits die Rede. Seither blickt die Burg auf eine bewegte Geschichte zurück. So eroberten 1416 die Regensburger die Burg, die dabei nicht unerheblich beschädigt wurde. Kein geringerer als der Regensburger Dombaumeister Wenzla wurde mit der Neubefestigung betraut. Im Jahr 1493 wurde Burg Ehrenfels von Herzog Albrecht IV nach einer achttägigen Belagerung eingenommen. Ein Grund für die Eroberung war die Beteiligung der Stauffer zu Ehrenfels am Ritteraufstand des Löwlerbundes. Herzog Albrecht ist wohl der böse Ritter aus der Sage, denn diese spielt im 15. Jahrhundert. 1635 wurde die Burg schließlich durch die Schweden zerstört. Mitte des 19. Jahrhunderts ging sie in Privatbesitz über. In den 1990er Jahren wurde eine Teilsanierung vorgenommen.

Wer zur Burg wandern möchte – oder eher spazieren – denn auch wenn gewisse Kinder etwas anderes behaupten, es ist wirklich kein langer Weg – der findet kurz hinter dem Ortsende von Beratzhausen Richtung Parsberg neben einer Eisenbahnunterführung einen kleinen Parkplatz. Von hier aus gelangt man über einen Feldweg in den Wald und ist bereits am Fuß des Schlossberges. Dort gabelt sich der Weg. Wer halbrechts geht, gelangt in einem ziemlich gerade Anstieg zur Ruine hinauf. Hier erzählen die noch erhaltenen Mauern, Treppen und Stiegen von der einst mächtigen Burganlage. Gut zu erkennen sind zudem noch die Wallgräben. Eine aufgeschüttete Rampe befindet sich dort, wo früher die Zugbrücke war.

Und wer jetzt immer noch nicht genug von der Burg Ehrenfels gelesen hat, wird hier fündig:  Christine Riedl-Valder: 750 Jahre Burg Ehrenfels in Beratzhausen. Mit Beiträgen von Andreas Boos, Artur Dirmeier, Thomas Dürr, Manfred Jehle, Isabel Käser, Thomas Riedel, Christine Riedl-Valder und Joachim Zeune. Hrsg. im Auftrag des Marktes Beratzhausen, Kallmünz 2012.

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