Warum die Kiefern so struppig aussehen
Habt ihr euch nicht auch schon immer gefragt, warum die Kiefern so struppig ausschauen? Dieses Märchen aus Osteuropa gibt die Antwort.
Einst lebte ein armer Mann in großer Not. Als sich der Frühling mit Vogelsang und den ersten wärmenden Sonnenstrahlen ankündigte, saß er traurig auf der Bank vor seiner Hütte. Denn er hatte kein einziges Saatkorn, das er auf seinen Feldern ausbringen konnte. „Ich gäbe dem Teufel ein Stück meiner Seele für ein paar Münzen, von denen ich Korn kaufen und mein Feld bestellen kann“, sprach er zu sich.

Kaum waren die Worte gesagt, stand – puff – der Leibhaftige persönlich vor ihm. „Wenn du mir deine Seele verschreibst, gebe ich dir so viel Gold, dass auf deinen Feldern in diesem Sommer alles wächst und gedeiht, was dein Herz und dein Magen begehren.“ Der arme Mann erschrak sehr. Seine Worte waren ihm nicht wirklich ernst gewesen. Doch als der erste Schreck verflogen war, fasste er sich und sagte: „Danke für dein Angebot. Ich denke darüber nach.“ Aber einmal gerufen, lässt sich der Teufel nicht so leicht abweisen.


Er blieb wo er war, zog einen Geldbeutel aus der Tasche, hielt ihn dem Mann vor die Nase und ließ die Münzen klimpern: „Das alles kann dein sein, wenn du mir deine Seele verschreibst!“ Der arme Mann fühlte sich in Versuchung geführt, zugleich fürchtete er um sein Seelenheil. Er dachte ein wenig nach, wägte ab, spürte das Grummeln in seinem hungrigen Bauch, besann sich und lächelte schließlich verschmitzt. „Nun gut. Ich verschreibe dir meine Seele für einen Beutel voll Gold. Du kannst sie dir holen, wenn kein Baum mehr Blätter trägt.“ Darüber war der Teufel hocherfreut. Er zog ein Papier aus der Tasche setzte einen Vertrag auf, mit Blut geschrieben und ließ den Mann unterzeichnen.“ Dann machte es „Puff“! Und verschwunden war der Teufel. Zurück blieben Rauch und Schwefel und ein Beutel mit Gold. Der arme Mann konnte nun seine Felder bestellen und sich sogar noch einen weiteren Acker kaufen, um Korn zu pflanzen. Der Teufel kam hin und wieder vorbei, spazierte den Feldrain entlang und sah schadenfroh, wie das Korn wuchs und reifte.

Er zählte die Tage bis zum Herbst, sah die Blätter der Bäume gelb werden und fallen, sah die Bäume eines Tages kahl stehen. Der Wind fegte über die Felder und brachte den ersten Schnee. Der nun nicht mehr ganz so arme Mann saß in seinem Häuschen am Feuer. Da klopfte der Teufel bei ihm an. „Guten Abend, mein Freund, ich hoffe, du bist bereit? Die Wälder stehen kahl da.“ Der Mann blieb ruhig sitzen wo er war und zündete sich sein Pfeifchen an. „Du hast wohl nicht genau hingesehen. Geh doch noch einmal in den Wald und schau nach. Denn die Eichen sind noch lange nicht kahl.“

Der Teufel ging in den Wald, sah sich um und musste zugeben, dass die Eichen noch voller Laub hingen. Zwar waren die Blätter trocken und braun, doch hingen sie fest am Baum. Verärgert schlich der Beelzebub davon. Er wartete nun von Tag zu Tag auf das Abfallen der Blätter. Der Frühling kam, doch die trockenen Blätter hingen noch an den Eichenbäumen. Sie hingen noch da, als sich schon die zarten ersten Knospen zeigten und neues Blattwerk wuchs. Da ging dem Teufel auf, dass der Mann ihn überlistet hatte. So stand er nun im Wald, der arme Teufel, und rauchte vor Zorn. Mit wildem Geschrei raste er ins tiefste Unterholz, fuhr durch die Kiefern, so dass diese ganz zerrauft und zerzaust wurden. Und seit diesem Tag sehen die Kiefern so struppig aus.




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