Die Urlaube meiner Kindheit. Sommer, Sonne, Sonnenschein. Ferien. Immer unterwegs und jede Nacht woanders. Ein buntes Urlaubsmosaik bleibt als Erinnerung.

Das Auto wurde vollgeladen. Meine Mutter am Steuer, mein Vater mit einem Haufen Landkarten auf dem Beifahrersitz. Meine Schwester und ich auf der Rückbank. Die Sonne knallt gnadenlos aufs Autodach. Finger, die sich aus dem Fenster strecken und den Fahrtwind einfangen. Dann ist es dunkel. Ich bin eingekuschelt in die Decke mit dem rot-schwarzen Tartanmuster und höre Hörspiele. Fünf Freunde und Drei Fragezeichen als stete Begleiter. Meine Schwester ist im Otto-Fieber und unterhält uns mit seinen Witzen. „Das ist aber schön, mein lieber Föhn“. Die Ferienwohnung in Spanien mit den zwei Hunden, die aussehen wie Würstchen auf Beinen. Die Pension mit den kleinen Kätzchen im Kommodenschrank. An meinem Geburtstag darf ich die Unterkunft aussuchen – wir übernachten in einer Jugendherberge in einer alten Burg. Spielen mit anderen Kindern an einem See. Tanzen mit einem kleinen Jungen am Meer. Ich beim Trampen zwischen meinem Papa und einer italienischen Nonna, die mir immer wieder durch die Haare streicht und ein „Bella, Bella!“ zulächelt. Sandburgen bauen mit Strandflöhen als Bewohnern. Meine Eltern streitend im Auto. Meine Schwester und ich im Kampf um die Armlehne. Wir alle zusammen lachend um einen großen Tisch. Am Nebentisch klappt der große Sonnenschirm über den Speisenden zusammen. Verdun und sein Wald. Jede rostige Dose wird in meinem Kopf zu einem Blindgänger. Salami und Baguette am Strand essen. Wassermelone zum Frühstück. Das Kolosseum in Rom, Fresken in Pompeij. Schlösser, Burgruinen und Grenzsteine, Klöster und Gedenkstätten. Die ein oder andere Autopanne. Wüste! Wale. Kattegat und Skagerrak. Und ein Bayerischer Zitterabend.
Irgendwann kam der letzte Urlaub, den wir zu viert verbrachten, weil meine Schwester zum Studium fortzog. Irgendwann kam der letzte Urlaub, den ich mit meinen Eltern verbrachte. Und dann, irgendwann, kam der erste Urlaub, den ich mit meiner eigenen kleinen Familie verbrachte. Und schließlich auch der Urlaub, in dem der beste Mann von allen mich in ein Ferienhaus nach Dänemark lockte und ich nie wieder wegwollte. Es fühlte sich an, als hätte ich ein zweites Zuhause gefunden. Eins, das für jeden Sommer passt. Immer unterwegs und jede Nacht woanders, das war aufregend und schön und erlebnisreich, aber das bin nicht ich. Ich bin im Herzen Urlaubsspießerin. Ja, irgendwann will ich noch mal in Schottland wandern gehen und die Toskana ist ja jetzt so nah. Aber bis dahin will ich in den Nordseewellen hüpfen, in den Dünen liegen, ich will warmen Sand und weichen Wind und steife Brisen, knorrige Bäumchen und Heidekraut, Reetgedeckte Häuser und Leuchttürme. In diesem Sinne – etwas verspätet, aber lieber spät als nie – Urlaubsgrüße aus Dänemark.















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